Feststellung:
Neue Arbeitsplätze für Afrikas Jugend werden nur zum geringen Teil durch Migration im Ausland entstehen können, großen Teils hingegen im Inland in formellen und informellen Wirtschaftssektoren entstehen (müssen).
Auch bei optimistischer Annahme, dass jährlich einige Millionen Afrikaner*innen nach Europa und in den Nahen Osten emigrieren könnten (Jakob & Schlindwein 2017; Smith 2018; Collier 2014), wird die wirtschaftliche Zukunft der afrikanischen Jugend hauptsächlich nicht in der dauerhaften Auswanderung liegen können, sondern in den zu modernisierenden Wirtschaftsräumen des afrikanischen Kontinents, soll nicht der Großteil der Erwerbsbevölkerung wie bisher in den informellen Wirtschaftssektoren auf Subsistenzniveau verbleiben. Der Anteil von formellen Arbeitsverhältnissen bei Staat und Privatwirtschaft beträgt meistens unter 10% der Erwerbsbevölkerung, nicht selten sogar unter 5% (Kappel & Reisen 2029, S. 40). Von den geschätzt 20 Millionen Jugendlichen, die alljährlich die Schulen in Afrika südlich der Sahara (ASS) verlassen (laut BMZ— ‘Marshall-Plan‘ mit Afrika 2017), werden kaum mehr als insgesamt drei Millionen im formellen Sektor ihres jeweiligen Heimatlandes eine Anstellung finden können, d. h. in Ministerien, Wirtschafts- & Dienstleistungsunternehmen sowie bei Armee und Polizei. Sie werden jeweils die älteren Job-Inhaber ablösen. Kaum mehr als – optimistisch betrachtet – zwei Millionen junge Afrikaner*innen werden bei den 10.000 großen und kleinen chinesischen Unternehmen, die heute in Afrika unterwegs sind, direkt und indirekt einen Job finden können. Die 850 deutschen Unternehmen, die zurzeit in Afrika im Einsatz sind und die etwa 200.000 Afrikaner beschäftigen, können über staatliche Förderprogramme (z. B. infolge des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes von 2020 oder durch Hermes-Bürgschaften) sowie mit Hilfe intelligenter Migrations- und Ausbildungspartnerschaften mit den bisher zwölf afrikanischen Reformländern in naher Zukunft kaum mehr als noch einmal so viele Menschen in Lohn und Brot bringen (weitere 200.000; alle Zahlen aus Tetzlaff 2020).
Vor diesem Hintergrund wirkt der vage BMZ-Plan „Special Initiative for Training and Employment 2020“, in den nächsten Jahren 100.000 Jobs zu schaffen und 30.000 Ausbildungsplätze bereitzustellen (Kappel & Reisen 2019, S. 52), kaum mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Wenn sich Frankreich, England, Indien, Brasilien sowie andere Handelspartner Afrikas ebenso Arbeitsplatz-aktiv verhalten würden wie es Deutschland versprochen hat zu tun, könnten durch begleitende ausländische Direktinvestitionen und faire Handelsabkommen insgesamt schätzungsweise maximal weitere zwei Millionen Arbeitsplätze für Afrikaner*innen entstehen (Tetzlaff 2020). Andere Schätzungen sprechen von 600.000 Jobs, die durch FDIs in Afrikas Städten entstanden sind (Kappel et al. 2017, S. 41) – auch sie hoch willkommen, aber keine Lösung des Job-Problems, angesichts eines geschätzten Bedarfs an neuen Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2030 von etwa 500 Millionen (= knapp 30% der Gesamtbevölkerung von 1,7 Mrd. Menschen; Kappel et al 2017, S, 41).
Folglich fehlt momentan – wenn alles so weiter liefe wie bisher – „für zwei Drittel der afrikanischen Jugend“ eine befriedigende Erwerbsperspektive (so auch Chef-Ökonom Monga von der AfDB; Dembowski 2020). Hinzukommen die zu erwartenden Verluste an Arbeitsplätzen als Folge der Corona-Pandemie – etwa 20 Millionen nach Angaben von ILO und WHO (Interview mit Rolf Kappel in „makro“ am 19.5.2020: „Corona erreicht Afrika“).

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