Ausländische Direktinvestitionen und Diversifikation in Afrika

Walter Kugler RT June 15, 2020

Feststellung:

Ausländische Direktinvestitionen (FDI) konzentrierten sich lange auf wenige Rohstoffländer; Initiativen zur Diversifizierung der Wirtschaft begünstigen das Wachstum von städtischen Konsummärkten

Die FDI-Zuflüsse nach Afrika waren von 9,7 Mrd. US $ im Jahr 2000 auf 54 Mrd. US $ im Jahr 2015 gestiegen, allerdings konzentriert auf wenige Rohstoffländer, darunter die Ölexportländer Angola, Kongo-Brazzaville, Nigeria und Sudan. Zu den zehn Top-Ländern mit den meisten FDI-Projekten, die der Diversifizierung und Industrialisierung dienen, gehören 2015 Ägypten. Äthiopien, Elfenbeinküste, Ghana, Kenia, Marokko, Mosambik, Nigeria, Südafrika und Uganda (nach Kappel et al. 2017, S. 27). Der jüngste Trend zeigt aber deutlich eine Erweiterung des Empfängerspektrums auch auf Länder mit wachsender Mittelschicht (einer floating class, die bereits heute, bei optimistischer Annahme, bei Wachstumsländern bis zu einem Drittel der Gesamtbevölkerung betragen kann).

Deutsche Afrika-Firmen haben bisher nur ein geringes Investitions-Volumen erreicht (mit 200.000 geschaffenen Arbeitsplätzen vor Ort), weil die afrikanischen Märkte klein und die unternehmerischen Risiken auf Grund des nicht sehr marktfreundlichen Investitionsklimas groß sind. Außerdem wirkt die defizitäre Infrastruktur (Energieversorgung, Zustand der Verkehrswege, bürokratische Hürden; unterentwickelter Banksektor) eher abschreckend als einladend. Seit der 2018 begonnenen Compact with Africa-Diplomatie der G20-Staaten, einschließlich der aktiven Rolle der deutschen Bundesregierung, sind Bestrebungen im Gange, in Ländern mit reformorientierten Regierungen Wandel durch Investitionen, Migrationspartnerschaften und Handelserleichterungen zu schaffen (Näheres dazu bei Kappel & Reisen 2019).

Auch die große Zahl an Nicht-Regierungsorganisationen (NRO), kirchlichen Vereinen und Kommunen (der EU-Länder), die nicht nur in Reformländern, sondern auch in ‚Fassendemokratien‘ und ‚failed states‘ unter schwierigsten Bedingungen aktiv sind, können nur einen kleinen Beitrag zur Lösung des Job-Problems erbringen, – unter anderem auch dadurch, dass sie mithelfen, in den Heimatländern nach dauerhaften Einkommensmöglichkeiten zu suchen oder solche zu schaffen (Natürlich dient auch ihr Einsatz indirekt dem Ziel, junge Menschen von der risikoreichen Migration abzuhalten).