Feststellung:
Die Corona-Pandemie verschärft das Problem der Nahrungsmittel-Erzeugung und -Versorgung, und der Hunger wird in den Mega-Cities dramatisch zunehmen, vor allem für Menschen in den informellen Wirtschaftssektoren
Afrika als Agrarkontinent mit großem nicht produktiv genutzten Flächen importiert bis zu 80% seiner benötigten Nahrungsmittel von anderen Ländern, was viele Milliarden Dollar an Devisen kostet, – Gelder, die besser produktiv investiert werden sollten. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in einer aktuellen Studie „Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss“ (Berlin 2018) aufgezeigt, wie auch Methoden der ‚Grünen Revolution‘ und der ‚sustainable intensification‘ (nachhaltige Intensivierung) dazu beitragen können, einen produktiven Agrarsektor zum Entwicklungsmotor zu machen (was auch der historischen Erfahrung in Westeuropa entsprechen würde).
Die Dringlichkeit einer Agrarwende liegt auf der Hand: Am Ende des Jahres 2020 könnten 265 Millionen Afrikaner*innen „am Rande des Hungertodes“ stehen (so WFP-Präsident David Beasley im April 2020). In neun ostafrikanischen Ländern könnte sich die Zahl der Hungernden von heute 20 Millionen auf 43 Millionen mehr als verdoppeln. Auch Burkina Faso, Südsudan, die Zentralafrikanische Republik, Simbabwe, Äthiopien und Nordostnigeria (acht Mio. Bewohner von Borneo State) seien auf Nahrungsmittelnothilfe angewiesen – insgesamt „ungefähr 100 Millionen Menschen“, wofür die WFP-Direktion 14 Mrd. US $ bis Ende 2020 brauchen würde – Gelder die nun nicht mehr gespendet würden, „während reiche Länder zur Stimulierung ihrer nationalen Wirtschaftsprogramme etwa 5 Billionen US-Dollar ausgeben würden“ (Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 3).
Als weitere Folge der Corona-Pandemie beklagt die FAO-Direktion den Kontinent-weiten Rückgang des Handels mit Nahrungsmitteln, Saatgut, Düngemitteln, Agro-Chemikalien (z. B. zur Bekämpfung der Heuschreckenplage) und von Erdöl- und Erdgas (infolge des dramatischen Preisverfalls), so dass die afrikanischen Farmer und Kleinbauern kaum noch in der Lage seien, ohne Hilfe ihre Felder bestellen zu können. Da Reisimporte aus zwei der wichtigsten Lieferländern, nämlich Kambodscha und Vietnam, wegen dortiger Exportverbote kaum noch nach Afrika gelangen – wobei Afrika jährlich für 4,5 Mrd. US $ Reis zu importieren gewohnt war -, drängt die FAO afrikanische Regierungen dazu, der Eigenproduktion von Nahrungsmitteln endlich höchste Priorität einzuräumen (Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 4).

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