Feststellung:
Der Klimawandel begünstigt Landflucht, Urbanisierung und Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung und erschwert so den Ausweg aus dem ‚Teufelskreis der Armut‘
Erfreulicherweise konnte die Armut in einigen Ländern (wie Marokko, Botswana, Ghana, Kenia, Äthiopien oder Senegal) in den vergangenen Jahren gesenkt werden, aber das zentrale Ziel der UN Millenniums Development Goals von 2000 – die Halbierung der Armutsquote – wurde in Subsahara-Afrika klar verfehlt: Noch immer leben ca. 45% bis 49% der Afrikaner*innen (ca. 540 Mio. bis 590 Mio.) unterhalb der Armutsgrenze. Unter den zahlreichen Ursachen dieses komplexen Problems rangiert das relative Bevölkerungswachstum – relativ im Verhältnis zu wirtschaftlichem Wachstum und Produktivität der Volkswirtschaft – an erster Stelle (Abi 2020). Während das wirtschaftliche Wachstum pro Kopf jährlich um ca. 2% zunahm, wuchs die Bevölkerung um ca. 2,7% (Zahlen nach Tetzlaff 2018, S. 320; BIBE 2020), so dass es zu einem Mangel an selbst akkumuliertem Investitionskapital kommen musste.
Eine weitere Ursache für die Zunahme von Hunger, Arbeitslosigkeit und Armut ist der Klimawandel. „Er ist längst die Überlebensfrage der Menschheit. Böden verdorren, Wasserreserven gehen rapide zurück, Wetterextreme nehmen zu. Experten rechnen mit 85 Millionen Klimaflüchtlingen in Afrika bis 2050“ (BMZ 2020). Die WHO befürchtet, dass sich in Kürze die Zahl der Malaria-Toten von rund 400 000 jährlich auf fast 800 000 erhöhen könnte – wegen logistischer Engpässe und steigender Transportkosten (Thilo Thielke in FAZ vom 7.5.2020, S. 10). Die internationale Nahrungsmittelhilfe (FAO, WHH, IBRD, Brot für die Welt etc.) reicht schon heute nicht mehr, den auch global gestiegenen Bedarf auch nur annähernd zu decken. Dazu verschärft der Corona-bedingte Rückgang der Remittances – bisher jährlich zwischen 50 und 100 Mrd. US $ – die Versorgungslage in zahlreichen Ländern mit Grundnahrungsmitteln, weil die Kaufkraft schwindet. Auch die Diaspora-Gemeinden in Deutschland und anderswo sind Opfer der Corona-Pandemie und werden wohl vergeblich auf Unterstützung warten.
In zahlreichen Ländern Afrikas besteht so ein Teufelskreis der Armut – strukturelle Armut fördert Krankheiten (und umgekehrt) und begünstigt sowohl Arbeitslosigkeit als auch Bildungsdefizite (primär bei Frauen), die wiederum zusammen weitere Armut, Ernährungs-Unsicherheit sowie mangelnde Einkommensmöglichkeiten (und ungewolltes Bevölkerungswachstum) als unerwünschte Folgen haben. Massive Investitionen aus dem In- und Ausland in die marode bzw. unentwickelte Infrastruktur könnte einen Ausweg eröffnen (Jeffry Sachs-Programm), aber heute schon beträgt die Finanzierungslücke bei notwendigen Infrastruktur –Investitionen in Subsahara-Afrika 30 Mrd. US $ jährlich; die Lücke an Investitionen für kleine und mittelgroße Unternehmen im formalen Sektor (SME) wird mit ca. 70 bis 90 Mrd. US $ jährlich veranschlagt (Kappel u.a. 2017, S. 44). Es Ist kaum damit zu rechnen, dass die OECD-Länder angesichts hoher Schuldenberge und eigener Corona-bedingter finanzieller und logistischer Engpässe in den nächsten Jahren diese Kapitallücken werden schließen können, selbst wenn sie wollten. Nicht auszuschließen ist, dass die Volksrepublik China versuchen wird, ihr 2020 entstandenes Negativ-Image als rassistische Gesellschaft, die afrikanische Arbeiter, Unternehmer und Studenten in China während der Corona-Krise zuweilen abschätzig behandelte, durch umfangreiche Investitionen und Geldtransfers aufzubessern.

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