Auswirkungen der Corona-Pandemie in Afrika

Walter Kugler RT February 16, 2020


Feststellung:

Infolge der Corona-Pandemie wird sich das wirtschaftliche Wachstum verlangsamen, in einigen Export-abhängigen Branchen wird es drastisch abnehmen.

Bisher sind ca. 53.000 Afrikaner*Afrikanerinnen an COVID19 erkrankt und nur wenige Tausende gestorben – nach offiziellen Meldungen (die Dunkelziffern dürften ein Mehrfaches betragen; AFP–Bericht von Anfang Mai 2020). Nach WHO-Berechnungen breitet sich in Afrika das Corona-Virus zwar langsamer aus als in Ländern mit durchschnittlich älterer Bevölkerung; aber gleichwohl könnten sich im Jahr 2020 bis zu 44 Millionen Menschen mit dem Virus in Afrika infizieren, und 190.000 Menschen könnten im ersten Jahr sterben (Report des WHO-Regionalbüro Brazzaville, laut AFP/taz-Meldung, 25.05.2020). „Es ist sehr unterschiedlich, auf welche Weise Menschen von der Pandemie betroffen sind, je nach Klasse, race, Geschlecht, Religion und auch politischer Einstellung. Die Infragestellung des Status quo der Krisenproduktion ist die Voraussetzung, eine gleichberechtigtere und integrative Debatte über Krisen zu gewährleisten“ – mahnte die Ethnologin Teresa Cremer (Cremer 2020). Nach einer Studie der Afrikanischen Union vom April 2020 wird sich Afrikas wirtschaftliche Wachstum infolge der Corona-Pandemie um 0,8% oder um 1,1% abschwächen. Auch vor Ausbruch der Corona-Pandemie befand sich die Mehrheit der afrikanischen Länder in einem wirtschaftlichen Abwärtstrend: Während in der Periode zwischen 2004 und 2008 das jährliche Pro-Kopf-Einkommen noch real um 4% gewachsen war, wurde im Zeitraum 2009 bis 2018 nur noch ein Wachstum von 1,7 % erzielt. Gleichzeitig stieg die Verschuldung von 19% Anteil am BIP auf 24% im Jahr 2018. Fast alle Länder hatten also schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie einen erhöhten Kapitalbedarf, der nur ungenügend durch Ausländische Direktinvestitionen (FDI) gedeckt werden konnte. Das Wirtschaftswachstum wird sich in zahlreichen Branchen verlangsamen oder sogar umkehren (Tourismus-Branche; Blumen- und Gemüseexporte; Öl- und Erdgasausfuhren etc.), und vor allem in den Ländern mit schwachem Binnenmarkt oder großer