Feststellung:
Das Auseinanderdriften Afrikas in Länder mit und ohne Reformdynamik – die Kontinent-weite Diversifizierung und Spaltung – nimmt weiter zu.
Neben einer Gruppe von etwa zehn wirtschaftlich und politisch relativ erfolgreichen Reformländern (Mauritius, Botswana, Namibia; Kap Verde, Ghana, Burkina Faso, Senegal, Elfenbeinküste; Tunesien und Marokko), gibt es die etwa gleichgroße Ländergruppe der Staatszerfalls-Länder (failing states), – darunter Somalia, Südsudan, Simbabwe, Burundi, DR Kongo, Tschad, Mali, Nord-Nigeria und Libyen. In diesen von staatlicher Misswirtschaft oder von Bürgerkriegs-Parteien, ethnischen Milizen und Dschihadisten heimgesuchten Ländern sind weder durch klassische Entwicklungshilfe (Projekthilfe, Budgethilfe) noch mittels ausländischer Direktinvestitionen nachhaltige Fortschritte zu erwarten. Hier ist höchstens politische Stabilisierung der Institutionen des Kernstaates (state-building) von innen und außen das einzig realistische Kooperationsziel – abgesehen vom Einsatz der NGOs unterhalb der staatlichen Kooperationsebene.
Zur Zeit ist Mali das Land, in dem ca. 1400 Soldaten und Militärausbilder aus westlichen Ländern seit sieben Jahren versuchen, die ‚Somaliaisierung‘ oder ‚Afghanistanisierung‘ des Vielvölkerstaates zu vermeiden – angesichts einer eher reformresistenten, ethnisch nicht balancierten Regierung eine Sysiphus-Aufgabe (Harding 2020). Die externe Militärintervention (plus Armeeausbildung) ist wohl vorübergehend als unvermeidbar anzusehen, erscheint aber gleichwohl ohne Aussicht auf dauerhafte Konsolidierung.

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